In Hausen spielte man Großfeldhandball

Während sich von Beginn an in Nordeuropa Hallenhandball äußerster Beliebtheit erfreute, setzte sich nach dem zweiten Weltkrieg in Südosteuropa Kleinfeldhandball durch. Für gestandene Mitteleuropäer gab es da aber noch eine dritte Variante, die vor allem in Deutschland, dem angrenzenden deutschsprachigen Raum und natürlich auch – wie sollte es anders sein – im Pohlheimer Ortsteil Hausen großen Anklang fand: Großfeldhandball!

Was genau aber war jetzt Großfeldhandball?

Entscheidender Unterschied zum Kleinfeld- und Hallenhandball, war, wie der Name schon sagt, die Größe des Spielfeldes, das dem eines Fußballfeldes entsprach. Dass hier nicht nur mit 7, sondern gleich mit 11 Spielern auf dem Feld gespielt werden durfte, versteht sich von selbst. Ähnlich wie heute im E-Jugendbereich in der Halle die 3 gegen 3 Variante gespielt wird, durften damals – das Spielfeld wurde hier gedrittelt – jeweils nur gleichzeitig 6 Spieler einer Mannschaft die jeweiligen Torraumdrittel betreten. Die Freiwurflinie war damals 13 m, die Strafwurflinie 14 m vom Tor entfernt. Das Tor entsprach in der Größe dem des Fußballtores. Nun ja, weitere Laufwege, längere Zeitstrafen. Bei 5 bzw. 10 Minuten Zeitstrafe hatte man hier schon ein bisschen länger Zeit zum Verschnaufen und Nachdenken. Interessant dürfe auch sein, dass die Verwarnungen zu dieser Zeit nicht mit Karten angezeigt, sondern dem schuldigen Spieler und dem Trainer direkt mitgeteilt wurden. Der Schiedsrichter hatte zusätzlich mit geballter Faust den Arm zu heben. Ob diese Gesten so furchteinflößend waren, dass es damals keine Ausschreitungen gegen Schiedsrichter gab oder ob dies andere Gründe hatte, ist nicht überliefert.

Was hat das Ganze nun aber mit Hausen zu tun?

Ganz einfach: Weil die Hausener dieser Sportart seit 20 Jahren verfallen waren – sogar die Schüler spielten zu dieser Zeit ausschließlich auf dem Großfeld – schufen sie sich natürlich auch eine entsprechende Heimspielarena. Bis zur Einweihung des heutigen „Alten Sportplatzes“ im Jahr 1953 hatte man zwar eine Trainingsfläche vor der Tür. Hier konnten auch Heimspiele auf dem Klein- und Großfeld stattfinden. Allerdings hatte die Spielfläche in der Breite ein Gefälle von 6 m. Um das auszugleichen, trugen die Handballer unterstützt von weiteren Vereinsmitgliedern in vielen Stunden Schweißarbeit Erdreich im oberen Teil des Platzes ab und füllten den unteren Teil damit auf. Der Versuch, den Platz komplett anzugleichen, scheiterte allerdings an dem felsigen Untergrund. So weist der „Alte Sportplatz“ bis heute immer noch ein Gefälle von gut 3 m auf. Aber ein echter Hausener Handballer lässt sich von solch kleinen Widrigkeiten nicht aufhalten. Schließlich trug man sowieso Turnschuhe mit Stollen…und Hausen liegt eben am Fuße des SchiffenBERGES.

Die Plätze der anderen Vereine stellten die Spieler vor ähnliche Herausforderungen. So stand in Griedel ein Lichtmast mitten auf dem Platz, in Londorf lag der Platz in einer Kuhle, der Platz in Nordeck führte aufgrund seiner Hanglage zu dem Phänomen, dass der Torwart auf der einen Seite, den Torwart im gegenüberliegenden Tor während des Spieles nicht sehen konnte.

Offensichtlich aber alles keine Gründe, seinen geliebten Sport nicht ausüben zu können. Dafür reichen einem echten Handballer eben die Leidenschaft für den Sport, der Spaß an gemeinsamen Aktivitäten, Erfindergeist, Durchhaltevermögen und der Zusammenhalt in einem guten Team.

Hilfreich war zu dieser Zeit aber sicher auch ein nicht so hohes Anspruchsdenken, wie man es heute des Öfteren findet.

Erster Titelgewinn – Kreismeister 1949

Nach dem Krieg konnte erstmals im Jahr 1946/1947 wieder eine Saison gespielt werden. Obwohl durch die anfänglichen Schwierigkeiten zunächst nur hohe Niederlagen in der Kreisklasse hingenommen werden mussten, ließen sich die Hausener hierdurch nicht entmutigen. Die Bildung der Bezirksklasse führte dazu, dass die stärkeren Vereine der Gegend aufstiegen, wohingegen die Hausener in der Kreisklasse verblieben. Und schließlich stellte sich auch der Erfolg ein. Im Jahr 1949 standen die Hausener gegen die Spvgg. 1900 Gießen im Endspiel um die Kreismeisterschaft. Das Spiel fand in Gießen auf dem Universitätssportgelände an der Volkshalle (Miller Hall) statt und war an Spannung kaum zu überbieten.

Nach dem Abpfiff aber stand der (neue) Kreismeister fest: TV 1864 HAUSEN! Erstmalig in der Vereinsgeschichte konnte ein Titel in der noch jungen Sportart errungen werden. Und dies sollte auch nicht der letzte Titel einer Hausener Handballmannschaft bleiben.

Allein bis zum Jahre 1950 konnten die Hausener Handballer die Kreismeisterschaft noch 2 weitere Male gewinnen. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung stand jetzt auch die Entwicklung des Handballs in Hausen unter einem guten Stern, so konnte 1950 die Handballabteilung des TV1864 Hausen ihr 20-jähriges Jubiläum feiern, viele weitere erfolgreiche Jahre schlossen sich an.

Wir danken unserer Redakteurin Katja Müller für diesen Artikel.